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Eine Frau in Berlin: Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 von Anonyma

Zoom Produkt-Bild: Eine Frau in Berlin: Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945
Taschenbuch von Btb
Preis bei Amazon: EUR 9,00, Angebote ab EUR 6,22

5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3442732166, Erscheinungsdatum: November 2008

Aus der Amazon.de-Redaktion


Als kurz nach Kriegsende ihr lang vermisster Freund Gerd glücklich und unerwartet von der Ostfront zurückkehrt, findet er eine ihm fremde Welt vor. Die Entfremdung wird noch größer nach einem Blick in die Tagebuchaufzeichnungen seiner Freundin. Auf seine Frage nach dem darin häufig verwendeten Kürzel "Schdg." kann sie nur bitter lachen. "Na, doch natürlich Schändung." Kurz darauf verschwindet Gerd. Ob für immer aus dem Leben der Frau aus Berlin -- wie so vieles wissen wir es nicht. Ihre Trauer darüber hielt sich in Grenzen. Nach all dem Durchlittenen war in ihr für Liebe und Zärtlichkeit kein Platz mehr frei.
Man sollte sich wappnen vor der Lektüre dieser Tagebücher, die als eines der ungeheuerlichsten und authentischsten Dokumente der letzten Kriegstage in die Literaturgeschichte eingehen dürften. Anonyma, deren wahre Identität -- verständlich genug -- auf eigenen Wunsch auch über ihren Tod hinaus unbekannt bleiben soll, schildert den Fall Berlins vom 20. April bis zum 22. Juni 1945. Ihre eigene Vita bleibt weit gehend im Dunkeln. Anfang 30, Fotojournalistin, weit gereist, mehrsprachig. Ihre Russischkenntnisse sollten sich in dem kommenden menschlichen Inferno als lebensrettend erweisen. Inmitten des Bombenhagels und in banger Erwartung vor den Russen, denen ein fürchterlicher Ruf vorauseilt, haben sich Hausgemeinschaften in Kellerlöchern verschanzt; junge Mädchen werden auf Dachböden versteckt. Es sollte in den meisten Fällen nichts nützen.
Anonymas unterkühlter, fast lakonischer Berichtston lässt die sich anschließenden Plünderungs- und Vergewaltigungsorgien in all ihren scheußlichen Details umso drastischer erscheinen. Trotz mehrfacher Schändung zeichnet sie ein wohltuend differenziertes Russenbild, frei von allem Untermenschendenken. Sehr bald jedoch erkennt sie pragmatisch: "Ein Wolf musste her, der mir die Wölfe vom Leibe hielt!" Anatol wird ihr "ständiger Begleiter". Fragen nach moralischer Integrität tauchen in ihr auf, werden weggewischt. In diesem Zusammenhang liefert sie auch eine schonungslose Bestandsaufnahme deutscher Mannsbilder, die sich nicht scheuten, Kellerfrauen dem Feinde zuzuführen, um selbst ungeschoren davonzukommen.
Dem Schriftsteller Kurt W. Marek (bekannter unter seinem Pseudonym C.W. Ceram, unter dem er den Bestseller Götter, Gräber und Gelehrte veröffentlichte), verdanken wir den Erhalt dieses "selbstentblößenden" Kriegsgemäldes. Marek, der in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wohnte, lernte 1946 die Schreiberin kennen und erfuhr von den Tagebuchkladden. Fünf Jahre Überzeugungsarbeit waren nötig, sie von der Notwendigkeit einer Veröffentlichung zu überzeugen. 1959 erschienen, geriet sie leider bald in Vergessenheit. Die Frau aus Berlin ist mittlerweile verstorben -- ihre Erinnerungen werden ewig leben. --Ravi Unger
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5 Kundenrezensionen:

Eine Frau in Berlin
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Passend zum Kinofilm möchte ich heute das Buch

Anonyma - eine Frau in Berlin vorstellen.

1959 wurde die Geschichte zum ersten mal in einem kleinen Schweizer Verlag veröffentlicht und dann erst wieder nach dem Tode der Autorin.

Diese Tagebuchaufzeichnungen einer Frau in Berlin sind im Mai 2003 - achtundfünfzig Jahre nach ihrer Entstehung, als 221 Band der Anderen Bibliothek im Eichbornverlag, Frankfurt am Main, erschienen.
Der Text folgt mit einigen Korrekturen, der deutschen Erstausgabe, die 1959 bei Helmut Kossodo in Genf und Frankfurt/Main verlegt wurde. Das Nachwort von Kurz W. Marek wurde für die amerikanische Übersetzung geschrieben, die 1954 bei harcourt Brace und Company in New York erschienen ist. Es erscheint hier erstmals in der deutschen Orignialfassung. Das Lektorat lag in den Händen von Rainer Wieland
(Quelle: Eichborn Verlag)

Inhalt:
=====
Vorwort Seite 5
Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945
Seite 7 bis 283

Nachwort von Kurz W. Marek Seite 285
Man schreibt den 20. April und die Geschichte, die Anonyma (die Autorin möchte verständlicherweise anonym bleiben, bei dem, was sie im Buch schreibt und aufdeckt ...) geht bis zum 22. Juni 1945. Die Zeit also, also Berlin fällt, als Berlin von den Russen überfallen und diese sich der Stadt und der daran noch lebenden Menschen bemächtigt.

Gerd ist Anonymas Freund, er kehrt von der Ostfront zurück und versteht die Welt nicht mehr, alles in so anders, wie er Berlin verlassen hat.
Als Gerd aber die Tagebuchaufzeichnungen seiner Freundin in die Hände bekommt und immer wieder "Schdg." darin zu lesen bekommt, macht er sich seine Gedanken. Anonyma klärt ihn auf und nun weiß er "Schdg." steht gleichbedeutend mit Schändung !!!

Nichts ist mehr, wie es war. Diese Frau, sie ist zu der Zeit Anfang 30, von Beruf Fotojournalistin und weit in der Welt herumgekommen. Sie spricht gut Russisch und daher konnte sie sich auch mit den Soldaten verständigen.
Sie und die anderen Frauen und Mädchen müssen Plünderungs- und Vergewaltigungsorgien über sich ergehen lassen. Sie müssen hart werden, um zu überleben. Ihr Herz abschalten ....

Viele haben es nicht überlebt aber einige sind der Hölle entkommen. So auch Anonyma, und sie hat darüber berichtet, wie sie diese Zeit für sich empfunden, wie sie über alles versuchte hinwegzukommen und man kann verstehen, dass sie sich ausergebeten hat, auch über ihren Tod hinaus anonym zu bleiben.
So ehrlich und ungeschminkt, so wahr und konkret ist noch nie über dieses Thema geredet worden. Diese Tagebuchaufzeichnungen sind auf der ganzen Welt bekannt und vielgelesen.

Ich finde es unheimlich gut, dass diese Frau sich dazu entschlossen hat, der Nachwelt diese fürchterlichen Geschehnisse nicht vorzuenthalten. Man muss einfach wissen, wie schrecklich diese Zeit war, um zu begreifen, dass dies nie wieder passieren darf, um zu begreifen, was diese Menschen alles auf sich nehmen mussten, wie mutig und unverzagt sie ihr Leben meistern mussten. Es gebührt ihnen Anerkennung und Hochachtung, man kann das nicht oft genug sagen.
Ich bin von diesem Buch fasziniert und habe es mit einem Kopfschütteln und stellenweisen tränenden Augen gelesen.

Es ist sehr flüssig und zündend geschrieben. Der Leser kann sich sehr gut in die Gedanken und Gefühle der Frauen hineinversetzen. Man versucht, zu verstehen, man versucht zu realisieren, wie diese Frauen, diese schreckliche Zeit überstehen - überleben konnten.
Anonyma erzählt auch von Anatol der ein bisschen ihr Beschützer wird, den sie sich zunutze macht, um zu überleben. Sie beschreibt stellenweise die wahrhaft schrecklichen Geschehnisse bis ins Detail.

WO BLEIBT DIE MORAL ???? - werden vielleicht einige sagen, die dieses Buch lesen, aber ich finde, wo kann man Moral erwarten, wenn solche Dinge passieren - hier geht es ums nackte Überleben und das alles schildert Anonyma und ich bewundere diese Frau für ihren eisernen Willen, ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen, ihre Art, sich durch diese Zeit zu schlängeln und dies auch noch schriftlich festzuhalten.
Es sind ja nicht nur die körperlichen Qualen, die diese Frauen erleiden mussten, auch Hunger, Not, Kleidermangel, Kälte ... all dies haben sie oft ohne ihre Männer und mit ihren Kindern durchleben müssen und dann noch dies .....

Ein tolles Buch, ein Zeitzeugnis, wie es kaum besser geschrieben sein kann. Es ist berührend und zu herzen gehend, es ist wahr und schonungslos und literarisch ganz sicher ein Leckerbissen. Sie urteilt klar und nimmt kein Blatt vor den Mund, sie stempelt aber auch die Russen nicht komplett ab, sie gibt dem Leser ein komplettes Gefühls- und Gedankenbild dieser Zeit.

Ich empfehle es wärmstens.
Zum Abschluss noch eine kurze Leseprobe:
Dienstag, 15. Mai 1945
Die übliche Hausarbeit, es ödet einen an. Oben in der Dachwohnung, die ich zum ersten Mal seit dem Russeneinmarsch wieder betrat, kramen zwei Dachdecker herum. Ihren Lohn erhalten sie in Form von Brot und Zigaretten. Kein Russe hat in die Dachwohnung gefunden. Der feine Kalkbelag auf den Dielen, der jeden Fußabdruck verrät, war unberührt, als ich die Dachdecker einließ. Mit genügend Wasser und Mundvorrat hätte ich dort oben vermutlich als unentdecktes Dornröschen verharren können. Aber darüber wäre ich mit Sicherheit verrückt geworden, so allein.

Im Rathaus müssen sich mal wieder alle Leute melden. heute war mein Buchstabe dran. Ungewohnt viele Menschen waren zur Stunde der Registrierung auf der Straße. Im vorraum war ein Mann dabei, das Adolf-Relief mit Meißel und Hammer wegzuklopfen. ....
"Zeitdokument"?
1 von 5 Punkten 1 von 5 Punkten
Die angebliche Autorin ist längst bekannt, und trotzdem erlaubt die "Rechteinhaberin" (die Witwe des einstigen Nazipropagandaautoren Kurt W. Marek, der 1941 auch schon den angeblich ebenfalls autobiografisch fundierten Durchhalteschinken "Wir hielten Narvik" verfasst hatte) nicht den Vergleich der reichlich mit nachträglichen Kommentaren etc. versehenen (vorgeblichen) Manuskripte mit der veröffentlichten Edition. Na ja, wenn's Kasse macht ...
Keine Heldinnen - und kein "Buch zum Film"
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Die letzten Tage des 2. Weltkriegs im zerbombten Berlin. Stundenlang kauern die Menschen, oft willkürlich zusammengewürfelt, in kalten, düsteren Luftschutzkellern und warten. Warten, dass der Krieg vorbei ist. Warten auf die Sieger. Die Russen, die Rote Armee. Unter ihnen eine Frau in den Dreißigern. Eine gebildete, weitgereiste und unabhängige Journalistin mit wachen und präzise beobachtenden Augen. In die Schablone einer deutschen Hausfrau und Mutter passt sie nicht. Sie ist allein, der Freund ein Sandkorn in der Wüste der Wehrmacht, Kanonenfutter, wenn es ganz schlecht läuft. Ist sie eine überzeugte Nationalsozialistin? Eine Faschistin?, wie sie schon bald von einem russischen Offizier gefragt werden wird? Wohl nicht. Vermutlich hat sie sich mit innerer Distanz irgendwie durch die Zeit des Dritten Reiches manövriert, hat Zugeständnisse gemacht, wenn es die Arbeit erforderte, ist Außenseiterin geblieben, ohne groß aufzufallen. Jetzt herrscht Endzeitstimmung. Es gibt keine ablenkende Arbeit mehr, das Schreckgespenst des Hungers wird von Tag zu Tag größer und bedrohlicher. Immer größer wird auch die Angst davor, was geschehen wird in den kommenden Tagen und Wochen, in dieser seltsamen Leere, in dem der Krieg vorbei und Frieden noch lange nicht in Sicht sein wird.

Geordnete Verhältnisse, dieses urdeutsche Bedürfnis, wird es lange nicht mehr geben. Wird diese noch immer junge Frau überleben, und wenn ja, um welchen Preis? Klug und nachdenklich wie sie ist, macht sie sich keine Illusionen hinsichtlich der Sieger, die, traumatisiert und verroht, ihre Belohnung einfordern werden. Wie nach jedem Krieg, werden die Frauen der Besiegten diesen speziellen Preis bezahlen. Trieb und das Wissen, den Gegner auf eine Art und Weise zu verletzten, die kein Kampf und keine Waffe bieten kann, gehen eine grausame Allianz ein. Gewiss, nicht alle Soldaten sind Vergewaltiger, und nicht alle Frauen werden vergewaltigt. Kein Trost, wenn man vergewaltigt wird. So sitzen sie in den Kellern und warten, und das junge Mädchen aus Ostpreußen, das vom Krieg schon einmal überrollt wurde, wimmert. Beten kann sie nicht, die Frau, deren Namen wir nicht erfahren werden, aber schreiben. So fängt sie an, gegen ihre Angst an- und die Ereignisse aufzuschreiben: Einmarsch der Rotarmisten, Hunger, Not, Verrat, Niedertracht, Überleben um jeden Preis, verzweifelte Improvisationen und Auflösung der Keller-, Haus- und Zwangsgemeinschaft. Und Vergewaltigungen. Immer wieder Vergewaltigungen, zu jeder Zeit, fast an jedem Ort. Die wenigen deutschen Männer stehen - manchmal auch im eigentlichen Sinne des Wortes - ohnmächtig daneben. Die Kinder ebenso. Immer wieder bedrückend häufig Schändungen, denen auch "Anonyma" nicht entgeht, in einer Zeit, in der sich die Frauen mit der Frage "wie oft?" in die Augen sehen und manche mit Galgenhumor auch Witze reißen, ein Bollwerk gegen das Grauen.

Um Ungeheuerliches, später nur allzu oft kollektiv Verdrängtes, geht es in diesem Buch, bei dem man sich nicht einig wird, ob es ein authentisches Zeugnis, ein zeithistorisches Dokument, ein tatsächlich existierender Tagebuchbericht ist. Als das wurde und wird es vermarktet. Die erste, die amerikanische Ausgabe aus dem Jahr 1954 wurde von Kurt W. Marek herausgegeben, einem Autor (Götter, Gräber und Gelehrte), der sich unter anderem darauf spezialisiert hatte, Tagebücher und andere Dokumente Dritter zu "literarisieren", also stilistisch zu überarbeiten und effektvoll zu ergänzen. Bei seiner Witwe liegen die Rechte an diesem Buch, und sie ist wohl auch im Besitz des Originaltagebuchs, das aus Heften, einer Kladde und etlichen Zetteln bestehen soll. Walter Kempowski, der im Streit um die tatsächliche Existenz der Aufzeichnungen hinzugezogen wurde und diese begutachtete, hatte keinen Zweifel an der Authentizität des emotional so bewegenden Textes.

Letztendlich bleibt es dem Leser überlassen, was er glauben will. Auf mich wirkt das Buch stimmig, es ist mit stilistischem Geschick und schriftstellerischem Talent geschrieben. Faszinierend ist der distanzierte, manchmal kalt berechnende Ton. Allerdings glaube auch ich, dass die Autorin ihre Aufzeichnungen später überarbeitet und ausgeschmückt hat. Auffallend dabei ist, dass zwischen all dem Elend und Horror immer auch schwarzer Humor und eine ironisch, distanzierte Betrachtungsweise mitschwingt; Eigenschaften, die wohl der Autorin zu eigen waren. Diese ist nicht so anonym, wie sie es sich über ihren Tod hinaus gewünscht hatte. Ihre Identität, wenn es denn die richtige ist, ist dank des Internets leicht ausfindig zu machen. Warum sie als Vergewaltigungsopfer anonym bleiben wollte, liegt auf der Hand. Auf Deutsch erschienen die Aufzeichnungen erstmals 1959. Lesen wollten sie die wenigsten. Man wollte nach vorne schauen, das Vergangene vergessen und wenn das nicht möglich war, wenigstens tief vergraben, verdrängen. Die vergewaltigten Frauen sollten schweigen, das haben die meisten auch getan. Dass an ihnen Kriegsverbrechen begangen wurden, durften sie nicht glauben. Glauben durften sie, dass es eine Schande ist, wenn man vergewaltigt wird - und dass man irgendwie selbst daran Schuld hat und hinterher entsprechend weniger Wert ist. Wen wundert es, dass die anonyme Autorin vielen als Nestbeschmutzerin galt.

Ein verletzter oder gar gefallener Mann war ein Held. Eine Frau, die sich angesichts roher Gewalt, oft mit Waffengewalt einhergehend, ins Unvermeidliche fügte, danach Strategien entwickelte, um weiterleben zu können, und noch später die Trümmer des Krieges beseitigte, war keine Heldin. Wenn sie ihr Schicksal beklagte, war sie eine minderwertige Schlampe. Also schwieg sie, lebte nach dem Krieg oft alleine oder bekam irgendwann ihren Mann beschädigt zurück. In diesem Fall musste sie wieder zurück in die Rolle, die sie vor dem Krieg innehatte. Ins zweite Glied, um ihre Ehe nicht zu gefährden. Ein dicker Mantel des Schweigens wurde über das Vergangene gelegt, es galt nach vorne zu schauen. Später diente Konsum und wachsender Wohlstand als Balsam für die geschundene Seele. Verständlich, dass die Kinder dieser Generation, die später die "68-er" genannt wurden, ihre Mütter, ihre Eltern nicht verstehen wollten und konnten.

Geschockt von der öffentlichen Meinung, soll "Anonyma" einer weiteren Veröffentlichung im deutschsprachigem Raum Zeit ihres Lebens nicht mehr zugestimmt haben. Am meisten hat wohl an ihren Aufzeichnungen gestört, dass sie nicht gewillt war, die Opferrolle passiv hinzunehmen. Sie suchte sich schon sehr bald aus, wer sie haben - ernähren und beschützen - sollte. Ein Leitwolf sollte es sein. Einer, der ihr die anderen Wölfe vom Hals hielt. Diese Strategie half, wenn es auch mit einem Alphatier allein nicht getan war. Der gleichnamige Film, der dieser Tage in die deutschen Kinos kommt, will diese grausame Geschichte dem durchschnittlichen Popcornkonsumenten nicht pur zumuten. Den kommerziellen Erfolg fest im Auge, wurde der harte Stoff mit einer Liebesgeschichte verdünnt, die in diesem Buch noch nicht einmal anklingt. Nein, "Anonyma" war wohl kein philosophierendes deutsches Fräuleinwunder mit sanften, rehbraunen Augen, dem auch in der größten Not der passende Lippenstift und das gekonnt verwuschelte Blondhaar zur Verfügung steht. Es gab auch keine Seife, kein blütenweißes Bettzeug und keinen russischen Offizier von Hollywoodformat, der am Morgen danach im perfekt gebügelten, hochgeschlossenen Hemd lächelnd aufwachte. Hier kann man das nachlesen. Das "Buch zum Film" ist es nämlich nicht. Andersherum wird ein Schuh daraus: Der Film, durchaus sehenswert, basiert mit allen künstlerischen Freiheiten auf diesem Buch.

Helga Kurz
30. Oktober 2008
Eine starke Frau
5 von 5 Punkten 5 von 5 Punkten
Interressanterweise hat Anonyma dieses Tagebuch nicht benutzt um sich den Schmerz über die Vergewaltigungen und den Hunger von der Seele zu schreiben. Es scheint als hätten sie die Fähigkeit einfach immer den nächsten Schritt zu tun und Dinge zu hinterfragen vor dem Zusammenbruch bewahrt. Sie beobachtet die Reaktionen der Menschen, hinterfragt welche Charaktere nicht so leicht zerbrechen an der Situation. Natürlich sind ihre Erkenntnisse nicht ganz frei von der Propaganda der damaligen Zeit, andererseits besitzt sie aber doch wieder einen erstaunlich unabhängigen Geist und stellt sich auch Fragen wie ob Vergewaltigungen verhindert werden könnten wenn die den Soldaten erotische Bilder zur Verfügung gestellt würden und daß es nicht die Staatsform ist, die Menschen unglücklich macht sondern das sich einfach so anpassen. Was aber jetzt nur einige Überlegungen der hochintelligenten Frau sind.
Mich hat dieses Buch von der ersten Seite in den Bann gezogen, durch diese genauen Beschreibungen fühlt man sich inmitten der Geschehnisse gesetzt und fühlt mit. Es ist auch ein Buch über das ich noch lange nachgedacht habe.
Beeindruchkender Beitrag zur Nachkriegsgeschichte
4 von 5 Punkten 4 von 5 Punkten
Kurz vor Kriegsende im April 1945 beginnt eine Frau in Berlin mit ihren Tagebuchaufzeichnungen. Darin beschreibt sie das Leid und Leben in der ausgebombten Stadt. Verschwiegen werden dabei auch nicht Hunger, Vergewaltigungen durch die Rote Armee und Plünderungen. Doch trotz allem Leid verliert die Autorin dabei nicht ihren Lebensmut.

"Eine Frau in Berlin" ist ein beeindruchkender Beitrag zur Nachkriegsgeschichte. Schon allein deshalb, weil es aus der Sicht einer Zeitzeugin geschrieben ist und das nicht erst Jahre später. Des Weiteren schreibt die "Anonyma" in einer Weise, die den Leser vor all der schonungslosen Gewalt schauern lässt, andererseits behält die Autorin dabei aber auch immer ihren schon fast trotzigen Lebensmut.
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