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Händel, Georg Friedrich - Orlando (2 DVDs)
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Preis bei Amazon: EUR 42,99, Angebote ab EUR 25,76
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) Erscheinungsdatum: Sept. 2008
2 Kundenrezensionen:
Perfekt!
5 von 5 Punkten... wirklich perfekt! Die beste Händel DVD seit langer Zeit. 100% Wohlklang und höchste Kompetenz bis in die Nebenrollen. Ein wahrer Barock Genuss. Ich habe die Oper jetzt mindestens schon 10 x angehört ... und es werden noch viele Male folgen.
Ungewöhnliches aus dem Nervensanatorium
5 von 5 PunktenUngewöhnlich ist der Inhalt der Oper "Orlando" von Händel. Der Held Orlando, hin und her gerissen zwischen Pflichtbewusstsein und den eigenen Gefühlen, verliert durch betrogene Liebe den Verstand und verfällt dem Wahnsinn. Er wird geheilt und entscheidet sich (gegen jegliche Individualität) für die Vernunft und versagt der Liebe. Für Händels Zeit eine Ungeheuerlichkeit, aber gleichzeitig quasi ein mahnender Spiegel für das vorherrschende Gesellschaftsbild jener Zeit. Das damalige Publikum hat's nicht verstanden und so versank "Orlando" für fast 200 Jahre in der Versenkung.
Ungewöhnlich ist aber auch die Musik. Händel verlässt mit "Orlando" den ausgetrampelten Pfad der Opera seria und beschreitet ungewöhnliche Wege. Die strikte Trennung zwischen Rezitativ und Arie verliert ihre Deutlichkeit, immer wieder mischen sich in Arien Teile von Rezitativen und Ariosi. In Duetten und Terzetten geht es kunterbunt durcheinander und Gesetzmäßigkeiten sind nur noch schwer zu erkennen sind. Auch vermischt Händel sogar unterschiedliche Melodien in einer Arie. Im Prinzip kongenial, aber wie gesagt: das damalige Publikum hat's nicht verstanden.
Und ungewöhnlich ist auch die Inszenierung des Opernhauses Zürich. Die Handlung ist in ein Sanatorium des frühen 20. Jahrhunderts verlegt worden. Orlando als Kriegsheld mit Burn-out-Syndrom gerät an den Klinikleiter Zoroastro, der - ständig umgeben von devoten Ärzten, Pflegern und Schwestern - mit schließlich durchaus modernen Methoden (Stichwort: Flodding) eine Heilung seiner Wahnvorstellungen bewirkt. Auch die anderen durchweg gelangweilt verwöhnten Patienten (Angelica und Medoro) geben sich ständig überspannt, verzweifeln aber daran, die Klinik zu verlassen. Die mit den psychiatrischen Auffälligkeiten ihrer Patienten überforderte Krankenschwester Dorinda hat aber in erster Linie nur ihr Liebesglück im Kopf und gerät zur zickigen Furie, wenn jemand ihrem Ansinnen (einen geeigneten Mann zu finden) in die Quere kommt. Da bekommt ein Patient auch schon mal eine schallende Ohrfeige. Aber nach der triumphalen Heilung des Helden - dieser dreht zwischenzeitlich immerhin komplett durch und gerät in bedrohliche Raserei - ist am Schluss doch noch alles gut gegangen. Orlando, geheilt und geläutert, bleibt alleine zurück und guckt dabei ziemlich belämmert aus der Wäsche!
Die Inszenierung ist genau richtig. Ein genialer Einfall, die Handlung in eine Klinik zu verlegen. Das opulente Gebäude, deren Wände ständig in Bewegung sind unterstreicht die Verworrenheit der menschlichen Psyche. Beleuchtung und Bühnenbild sind perfekt. Auch die Statisten - devot ängstliche Krankenschwestern und bullig bedrohliche Pfleger - unterstreichen das Pflegeleitbild um 1900. Der alles beherrschende Chef der Klinik (Konstantin Wolff als Zorostro) bedient sich der Medizin (bei Händel war noch die Zauberei - aber das ist im Prinzip ja fast dasselbe) und wird so zur Überperson der Handlung. Wolff meistert seinen Part sehr elegant. Martina Janková gibt eine selbstsüchtige und intrigante Angelica, köstlich gespielt und zauberhaft gesungen. Katharina Peetz als Schwerenöter Medoro, der die Finger nicht von den Frauen lassen kann - genial männliches Timbre in der Stimme. Auch die gestresste Dorinda (Christina Clark) ist makellos in ihrer musikalischen Darbietung und bietet wahrhaft furiose Koloraturen in ihren Arien.
Und Orlando? Orlando ist der jugendliche Held dargestellt von Marijana Mijanovic. Hier haben die Maskenbildner ganze Arbeit geleistet. Sie tritt als chicer und schneidiger junger Mann auf. Ihr Timbre unterstützt diesen Eindruck. Man könnte meinen, einen Kastraten vor sich zu haben. Ihre Wahnsinnsszene am Schluss des zweiten Aktes, aber auch ihre wilde Raserei im dritten Akt suchen ihresgleichen. Perfekte Sangeskunst, wenngleich ihre Mundbewegungen nicht schön anzusehen sind, aber durchaus zu einem Wahnerkrankten unter zweifelhafter Medikation passen.
William Christie spielt nicht wie gewohnt mit "Les Arts Florissantes", sondern mit der Abteilung für alte Musik des Orchesters der Oper in Zürich. Es tut dem Hörvergnügen aber wahrlich keinen Abbruch. Dieser "Orlando" ist eine absolute Topempfehlung und ist als Ersteinspielung auf DVD sicher nur schwer zu toppen.

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